Mittwoch, 7. Oktober 2009

Heute vor 20 Jahren

Eine Dreiviertelstunde dauerte der Militäraufmarsch zum 40. Republikgeburtstag der DDR am 7. Oktober 1989. Sie hüllte die Karl-Marx-Allee zeitweise in eine beißende Abgaswolke. Erich Honecker grüßte, die treuen Untertanen schwenkten Fähnchen, Genosse Michail Gorbatschow blätterte gelangweilt im Programmheft.

Es war die letzte Parade auf der wichtigsten Paradestrecke der DDR. Hinter der fröhlichen Fassade gärte schon der kommende Volksaufstand.

Wo die Tribüne mit den höchsten Amtsträgern der Republik stand, wachsen heute Eiben und Koniferen. Weiter hinten stehen Bäume, die vielleicht so alt sind wie die Wiedervereinigung. Sie verdecken die Sicht in den Innenhof. Die Karl-Marx-Allee ist eigentlich keine Straße. Sie ist eine Ausdehnung, eine Weitung, breiter als jede Autobahn. Die Baustelle mittendrin wirkt wie eine tektonische Spalte, an der beide Seiten der Allee voneinander wegdriften. Der Sonnenschatten der Westblöcke erreicht selten die unteren Etagen auf der Ostseite. Mit einer Spannbreite von 125 Metern hat die Allee ideale Aufmarschmaße.

Die Straße besteht aus einem älteren Teil, östlich des Strausberger Platzes, der zusammen mit der Stalinallee (heute Frankfurter Allee) geplant und gebaut wurde, im westlichen Teil bis zum Alexanderplatz reichte das Geld nur für kantige Zehngeschosser, die in den 60er Jahren emporwuchsen.

An hohen Festtagen des DDR-Sozialismus, 1. Mai und 7. Oktober, marschierte das Volk mal in Zivil, mal in Uniform an seiner Führung vorbei. So direkt kam man sonst kaum zusammen. Losungen auf den Transparenten zum 1. Mai wurden zentral von der SED beschlossen. Eigeninitiative beschränkte sich auf das Schwenken von Winkelementen. In der Karl-Marx-Allee, so lautet ein verbreitetes Vorurteil, wohnten vor allem „Kader“, also Leute, die im weiteren Sinne selbst zur Führung gehörten.

Dem möchte Helmut K., 80 Jahre alt, ehemals wissenschaftlicher Mitarbeiter, nicht widersprechen. „Es hatten aber auch Bauarbeiter der Stalinallee hier ihre Wohnung. Das war schon gemischt.“ Eine ältere Frau erzählt von einem stellvertretenden Minister, der hier gewohnt habe, „auf zweieinhalb Zimmern“.

Helmut K. hat die Paraden natürlich miterlebt, aber das „Säbelrasseln“ sei ihm schon damals unangenehm gewesen. Wegen der intensiven Bewachung habe er Schwierigkeiten gehabt, in die eigene Wohnung zu kommen. Und dann der Lärm! „Das fing schon drei Tage vorher an, da wurde geprobt“. Um den Fahnenschmuck an den Balkonbrüstungen musste er sich nicht selber kümmern. Da kam die Feuerwehr vorbei.

Die Balkone sind noch original DDR. Die Fassade wurde gedämmt und mit neuen Kacheln verkleidet. Auch drinnen sei vieles renoviert worden, erzählen die Bewohner. Verantwortlich zeichnet die „Wohnungsbaugenossenschaft Solidarität“. Hinter einem der Blöcke spaziert eine ältere Frau – weiße Haare, hellgraue Jacke, grünes Halstuch. Sie sei im Vorstand der Volkssolidarität und vermisst in der heutigen Zeit vieles, was es früher in der DDR gab: Gemeinschaft im Haus und auf der „Dienststelle“, Sauberkeit, Höflichkeit. Die „vielen Ausländer“, die jetzt im Haus wohnten, würden sich nicht mal vorstellen. Die Parade, nun ja, „da ist man eben mitjelatscht“ oder „mitjestanden“, im Kollektiv, habe sich nett unterhalten und danach „zusammen ein Bierchen getrunken“.

Viele Ältere, die hier wohnen, denken so. „Die DDR war gar nicht so schlimm“, sagt eine Frau in gold gestreifter Bluse, die gerade vom „Haus der Gesundheit“, dem einzigen Altbau in der Straße, kommt. Vor allem sicherer und humaner sei es damals zugegangen. Und die Militärparade? „Na, das war die Nationale Volksarmee, die musste sich ja auch mal blicken lassen.“


Dienstag, 6. Oktober 2009

PbW Remix

De/Vision "The Far Side Of The Moon" - Patenbrigade: Wolff Remix

Dienstag, 29. September 2009

Weitere Bilder vom E-Porn Auftritt





Weitere Bilder vom Auftritt am 25.09.2009 in Gießen auf:
Danke an Luminanzmuster für die super Fotos!

Montag, 28. September 2009

Patenbrigade Wolff unterwegs im NSW*

Eingepfercht zwischen Keyboards und Baumaterial machten sich Brigadeleiter Wolff, die Azubis Bert und Pinsel, sowie Inspektorin Dieckmann auf den weiten Weg nach Gießen. Brigadeleiter Murdock mußte hingegen wieder einmal zeigen, dass er der Boss ist und ließ sich in seiner Nobel-Karosse von seiner Privatsekretärin zum Auftritt bei der E-Porn Party chauffieren.
Dort angekommen, ertappte man Veranstalter Andy Pendent bei dem zweifelhaften Versuch, die Patenbrigade durch schlechte Doubles zu ersetzen.



Dass Live-Keyboards bei PbW Auftritten keine hohen Überlebenschancen haben ist bekannt. Das Vermona Keyboard das beim Auftritt in Gießen zum ersten Mal zum Einsatz kommen sollte, ging jedoch schon nach dem Soundcheck in Flammen auf und musste auch während der Show immer von den Azubis wieder repariert werden.





Dem mit 600 Leuten sehr zahlreich erschienenden Publikum wurden neben einigen P:W Klassikern auch mehrere Tracks des kommenden Albums “Baustoff” präsentiert.
Absoluter Höhepunkt in Gießen war der Auftritt von Gastsängerin Antje Schulz, die eine beeindruckende Interpretation ihres Tracks “Dreh mir die Zeit zurück” darbot.





Nach einem so erfolgreichen Auftritt ließ es sich der Veranstalter nicht nehmen, die Brigade zum abschied noch mit Erotik-Artikeln zu versorgen, die vor allem bei den mitgereisten Damen auf besonderes Interesse stießen.






Weiterreise nach Koblenz. Nach einigen spärlichen Informationen über den Club (sehr klein, keine Bühne, Zugang nur über eine steile Treppe..) war man umso überraschter, einen sehr nett gestalteten Auftrittsort vorzufinden.



Das Publikum war an diesem Abend leider von nicht ganz so großer Zahl, was Lance und Sven jedoch nicht davon abhielt, wieder eine Super-Show abzuliefern. Eine bezaubernde Inspektorin am Mikrofon und der Roboter-Tanz von Azubi Bert machten auch diesen Auftritt einmalig.
Das Vermona Keyboard gab an diesem Abend leider endgültig auf. Azubi Pinsel unternahm intensivste Wiederbelebungsversuche, doch selbst Behandlungen mit Flex und Hammer konnten das Gerät nicht retten.



Die lange Rückfahrt von Koblenz nach Berlin nutzte Azubi Pinsel um sich auf seinen Wahlgang vorzubereiten.

Unser besonderer Dank geht an die Veranstalter der beiden Abende!

Videos gibt es auf unserem Youtube-Channel, sowie weitere Bilder auf unserer Flickr-Seite.



*NSW= nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet


Donnerstag, 24. September 2009

P:W Auftritte am Wochenende




Patenbrigade: Wolff treten am Freitag in Gießen im Muk und am Samstag in der Koblenzer Druckluftkammer auf.
Lance und Sven werden wie immer von Inspektorin Dieckmann und den Azubis Bert und Pinsel unterstützt.

Exklusiv in Gießen wird Gastarbeiterin Antje Schulz (Chandeen, Instrict Confidence) ihren Track "Dreh mir die Zeit zurück" vom bald erscheinenden P:W Album "Baustoff" präsentieren.

Sonntag, 20. September 2009

"Baustoff" Mastering



Alle Tracks fürs kommende Album "Baustoff [popmusik für rohrleger] sind fertig.
Wir mastern die CD gerade im Studio. Im Screenshoot ist schon die Tracklist erkennbar.

Montag, 14. September 2009

UndergroundDates.de von Brigadeleiter Murdock


Heute startet die BETA-Version von UndergroundDates.de, einem Projekt von Brigadeleiter Lance Murdock. Bei diesem Online-Veranstaltungskalender können ab sofort sämtliche Konzerte, Parties, Festivals, überhaupt: sämtliche Events gepostet und damit auch von anderen überhaupt erst gefunden werden. Je mehr mitmachen, umso umfangreicher und interessanter kann das Portal werden.

Montag, 7. September 2009

Baustoff Teaser I


Die Produktion des neuen PbW "Baustoff [popmusik für rohrleger]" neigt sich dem Ende entgegen. Das Video zeigt eine kleine erste Impression der Studio-Arbeit.

Orkus Magazin zu "Stalinallee" und "Feind hört mit!"


Patenbrigade:Wolff
Feind hört mit!

Nachdem sie in den letzten Monaten mit Ihren zahlreichen Veröffentlichung immer wieder für ordentliches Rascheln im Blätterwald gesorgt haben, verkürzen Patenbrigade: Wolff nun ein weiteres Mal die Wartezeit auf das im Herbst erscheinende neue Album Baustoff. Der bereits von der EP Stalinallee bekannte Titeltrack Feind hört mit! Weißt als Herzstück den für Sven Wolff und Lance Murdock unverkennbaren genialen Soundmix aus atmosphärischen Klangflächen und treibenden Elementen auf, wenn es auch hier erneut insgesamt druckvoller als in alten Tagen zugeht. Die Einspielung von Aufnahmen der DDR-Staatssicherheit, die in dem zunächst harmlos wirkenden Hinweis „Vorsicht bei Gesprächen – Fein hört mit!“ gipfelt, tut auf jener musikalischen Basis ihr Übriges. Anhand der Tatsache, dass Letzteres keineswegs der DDR entstammt, allerdings auf eine innenpolitische Kampagne des Deutsches Reiches aus dem Jahr 1939 zurückzuführen ist, stellen P:W die Parallelen der angeblich ideologisch so unterschiedlich gestrickten Systeme intelligent heraus. Doch damit noch nicht genug. In Volksarmee treiben die beiden kreativen Köpfe ihre ausgeklügelte Samplearbeit auf die Spitze. Unterlegt von einer Spieluhr, singen Kinder von Ihrer Zukunft in der Volkarmee: „ Ich lade die Kanonen – hopp, hopp, hopp!“. Falls der Denkapparat nicht schon zuvor angesprungen ist, wird er es, von den „niedlichen Kleinen“ angekurbelt, hier spätestens tun. Es zeigt sich demnach, dass sich die anderen Songs (Kampfgruppen, Volksarmee und EVP 16,10 DM) keineswegs hinter dem Namensgeber des Tonträgers verstecken müssen, sondern in ihrer Gänze Appetit auf frisches Material des Duos machen. In Sachen Anwendung sollte das Ministerium für Sounds bei solch überzeugenden Releases zumindest keine großen Probleme halten. (8,5) Kristina Lagemann


Patenbrigade:Wolff
Stalinallee

So produktiv wie auf einer Großbaustelle geht es dem Anschein nach im Hauptquartier von P:W zu. In regelmäßigen Abständen verwöhnen neu aufbereitetem Material. Zu den letzten Outputs des Duos gehört ebenfalls die EP Stalinallee, die an das 2008er Album Demokratischer Sektor anknüpft und mit der sich Sven Wolff und Lance Murdock ein kleines Stückchen von den für sie typischen Ambient Electro Klängen entfernt. Stärker cluborientiert, zielen die Songs mit Ausnahme von „Der Generalmajor fährt zur Arbeit“ direkt auf die Tanzflächen der Nationen ab. Folglich verursachen neben dem Titeltrack sowohl der inzwischen zum absoluten Hit gewordene Kracher Feind hört mit! als auch das gnadenlose vorwärtsstampfende Signal ein nervöses Zucken in den Beinen. Mit Stalinallee verlassen Patenbrigade: Wolff demnach musikalisch zwar ihr ursprüngliches Terrain, beweisen damit allerdings, dass Anspruch auf keine elektronisches Stilrichtung festgelegt ist, sondern sich gleichermaßen in treibenden Kompositionen fortsetzen lässt. (8) Kristina Lagemann

Mittwoch, 2. September 2009

ZILLO-Magazin zum P:W-Auftritt beim Wave Gotik Treffen 2009


wrote: "Die „Ostberliner Bauarbeiter“ waren so etwas wie der heimliche Sieger des Abends, was angesichts der wirklich außergewöhnlichen Darbietung aber auch mehr als verdient war. Nachdem die Brigadisten die Bühne kurzerhand in eine veritable Baustelle umfunktioniert hatten, werkelten Sven Wolff und Lance Murdock an ihren Keyboards herum – immer begleitet von der Rahmenhandlung, die von Schweißen bis Hämmern reichte und für ein stetes Treiben auf der Bühne sorgte. Unterbrochen wurde die ansonsten instrumentale Veranstaltung von zwei Gastsängern, die eine neue Perspektive auf das Projekt eröffneten. Zusätzlich Freunde machte sich die Patenbrigade: Wolff durch das Verteilen von Freibier an die ersten Reihen. Aber auch ohne Bestechung wäre die Runde gewiss an Sven Wolff und Lance Murdock gegangen. (Marc Urban)"